Chronik

Cinque Terre

Der Gasthof Niedermeier hat eine lange Geschichte:

Mit dem Bauantrag vom Mai 1907 begann der Bau einer Gaststätte in Ennigloh Nr. 53. Nach Fertigstellung konnte bereits im Herbst die Gaststätte eröffnet werden. Der Bauherr Gastwirt Hermann Büscher übergab anschließend an Franz Heinrich Niedermeier, den Gasthof, unter den Namen „Gasthof Jägerkrug“. Im Juni 1913 übernahm Bäckermeister und Gastwirt Johann Friedrich Niedermeier mit seiner Ehefrau Elisabeth Niedermeier den Betrieb von Ihrem Vater.

Friedrich Niedermeier war weit über das Bünder Land unter dem Namen "Dieger Frittken" bekannt.

Dieser Name hatten seinen Ursprung aus dem Plattdeutschen Worten Tiegel = Dieger und Frittken = Fritz. Im Dieger, einem Stieltopf ähnlich aussehendem Gefäß (der wie die heutige Schnabeltasse aussah), wurde Bier erwärmt und als Hausmittel gegen Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Halsschmerzen) von Fritz Niedermeier an seine Gäste "verschrieben". Laut Überlieferung wurden 2–3 Tiegel warmes – heißes Bier getrunken. Es wurde Herforder Export Bier ausgeschenkt. Um den Geschmack zu verbessern, wurde mit braunem Kandiszucker oder Honig abgeschmeckt. Um die Wirkung noch zu verbessern, konnte in der Backstube ordentlich geschwitzt werden. Die richtige Menge und Mischung sollen wahre Wunder vollbracht haben.

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Ein besonderer Leckerbissen kam aus Niedermeier's Backstube: das Schwarzbrot. Mit dem Pferdewagen ging es bis nach Spenge & Rödinghausen, um Backwaren zu verkaufen.

Der Werbeslogan hieß:

"Willst du dich mit Schmeling messen, musst du Dieger's Schwarzbrot essen"

Die Attraktion im Bünderland war der „Ennigloher Tierpark“. Hier gab es Bären, Affen, Exotische Vögel (auch mit Wasserfarbe angemalte Spatzen), heimisches Wild, eine Meerschweinchen Stadt, Esel und Pferde. Es war ein beliebter Treffpunkt für Alt und Jung, auch Schulklassen hielten hier Unterricht ab.

Sonntags wurde zur Musik des Plattenspielers ein Tanztee veranstaltet.

Anlässlich einer Flugschau auf Gut Bökel, wurden unter der gewölbten Decke des Saales verschiedene Arte von damaligen Motorflugzeugen gemalt (Doppeldecker). So entstand folgender Spruch:

"Überm Dieger fliegt der Flieger, unterm Flieger liegt der Dieger, darum kehret Groß und Klein beim Dieger Frittken ein"

Um und über Dieger Fritz gab es allerlei Anekdoten.

Fritz Niedermeier führte bis zu seinem Tod 1948 die Gaststätte mit Kolonialwarenladen, Bäckerei und Kohlenhandel. Nach seinem Tod übernahm Sohn Kurt Niedermeier mit Ehefrau Margarete Niedermeier die Geschäfte. Im Sinn seines Vaters führte er den Betrieb weiter und wurde auch mit dem Spitznamen "Dieger" belegt.

Der Fußballverein FC Muckum verbrachte hier zahlreiche fröhliche Stunden; hier wurde sich umgezogen und nach den Spielen mit warmen Wasser gewaschen. Warmes Wasser aus der Backstube!

Die Geschichte/Gründung des Rassegeflügelzuchtvereins Ennigloh/Muckum begann im Gasthof Niedermeier im Jahre 1928. Nach genau 75 Jahren wurde das Vereinsleben wegen Nachwuchsmangel im Jahre 2002 eingestellt.

In der Zeit von 1967 – 1971 gab es auch hier eine Disco: den „Club 53“. Hier wurde am Samstag und Sonntag nach den „Schwarzen Scheiben“ zu den Songs der Beatles, Rolling Stones, Tremolos, Bee Gees usw. getanzt. Gründungsmitglieder waren Udo Niedermeier, Friedel Kipp und Dietmar Zentner. Der Eintritt betrug:- 99Pfennig-!!!

1998 übergab Kurt Niedermeier aus Altersgründen die Geschicke an das Pächterehepaar Bärbel und Werner Vogt für 10 Jahre.

Bäckermeister Kurt Niedermeier verstarb im Dezember 2002 im Alter von 81 Jahren.

In 4. Generation führte Anette Niedermeier den Familienbetrieb weiter, -. nach gründlicher Renovierung im Jahre 1998/1999. Neben einem gemütliche Klön - Snack in der Gaststätte, bei Kaffee oder Herforder Pils, besteht die Möglichkeit im Saal mit Wintergarten zu feiern – bis ca. 85 Gäste. Die Räume sind mit Rauchfiltern ausgestattet.

Zahlreiche Veranstaltungen werden seit der Renovierung im Jahre 1999 im Ortsteil Bünde – Ennigloh – Muckum angeboten; auch unter Mitwirkung heimischer Vereine.

Weitere Impressionen finden Sie in der Fotogalerie